
Hier bringt der „Taugenichts“ (Nathan Theiler) der vermeintlichen Gräfin Aurelie (Leni Müller) ein Ständchen dar. © Christine Fauerbach
Die Theater-AG der Kurt-Schumacher-Schule feierte eine dreifache Premiere. Eichendorffs 200 Jahre alte Geschichte begeisterte das Publikum.
Karben – Die Theater-AG der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) hat gezeigt, dass die erstmals 1826 vollständig veröffentlichte Geschichte „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff auch 200 Jahre später noch aktuell ist. Wie Schulleiterin Ursula Hebel-Zipper informierte, kam das Publikum in den Genuss einer dreifachen Premiere. Zum ersten Mal standen die 15 „Mänaden“ in einer neuen Gruppenbesetzung auf der Bühne. Der Lehrer für Deutsch und Ethik, Alexander Motzko, der gemeinsam mit Thomas Pechar in der KSS-Aufführung Regie führte, feierte seine Premiere als neuer Leiter der Theater-AG. Und es handelte sich beim „Taugenichts“ zugleich um die erste Aufführung der „neuen“ Mänaden unter dem neuen Leiter.
Handlung kurz zusammengefasst
Für alle, die Eichendorffs Novelle nicht gelesen haben, fasst Alexander Motzko die Handlung kurz zusammen: „Es handelt sich um eine Verwechslungskomödie über die Zufälle des Lebens und die Liebe.“ Ein junger Müller, vom Vater als „Taugenichts“ (Nathan Theiler) beschimpft, durchwandert die Welt, um „sein Glück zu machen“. Dabei stolpert er von Beschäftigung zu Beschäftigung, verdingt sich mit mehr oder weniger Erfolg als Sänger und Musiker, als Gärtnerbursche und Zolleinnehmer. Zudem verliebt er sich in die vermeintliche Gräfin Aurelie (Leni Müller). Als er seine „allerschönste Frau“ mit einem Offizier zusammen sieht und sie für ihn nun unerreichbar scheint, packt er vom Liebeskummer getrieben, seine Sachen und verlässt das Schloss, um „gen Italien“ zu reisen. Ob es dem naiven Märchenhelden und romantischen Tagträumer gelingt, auf seiner abenteuerlichen Reise seine große Liebe zu vergessen, das konnten die Zuschauer der beiden öffentlichen Aufführungen in der Aula der KSS am Mittwoch- und Donnerstagabend hautnah miterleben.
Die Inszenierung der „Mänaden“ war für das Ensemble und für das Publikum eine besondere Herausforderung, denn die Geschichte wird in vielen kurzen Szenenwechseln erzählt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler aus der neunten Jahrgangsstufe mussten viel Text auswendig lernen. Wie gut sie waren, zeigte sich darin, dass sie bei der Premiere die Dienste von Souffleuse Naomi Müller nicht in Anspruch nahmen.
Humoristischer, leichter Ton
„Die Inszenierung orientiert sich inhaltlich sehr stark am Text von Eichendorff, modernisiert nur punktuell und versucht, viele Passagen im O-Ton zu erhalten. So soll der humoristische und leichte Ton beibehalten werden. Slapstickkomik und die Romantik der 1820er Jahre treffen aufeinander“, informierte Alexander Motzko. Erhalten blieben auch die ironischen Seitenhiebe des Romantikers Eichendorff in Richtung des Klassikers Goethe. Dem Ensemble gelang es, beim Publikum für Spannung und Amüsement zu sorgen. Das gelingt zum einen mit Sprachwitz und aberwitzigen Formulierungen wie „imperfektionistisches Reisen“. Und zum anderen durch die lebendige, überzeugende Darstellung der Figuren der Novelle.
Gleich acht Ensemblemitglieder verkörperten zwei oder drei Rollen. Zu ihnen gehörten Leni Müller (Aurelie, Wirt), Yaron Römer (Graf Schönborn, Student), Eva Kruszynski (Zöllner, Magd), Tyler Kronour (Bauer, Bedienstete, Person 1), Ege Aydin (Vater, Maler, Frau des Bauern), Scarlette Gabriel (Mädchen, Bedienstete, Person 2), Viktoria Dokudowiec (Feldscher, Pfarrer) und Ava Riese (italienischer Reiter, Student). Ebenso überzeugten die Darsteller der Hauptrollen: Nathan Theiler als Taugenichts, Cosima Förster als Graf Leonhard, Finja Giesen als seine Verlobte Flora, Kara Steinert als ihre Kammerzofe, Amon Steinert als Gärtner, Hannah Isenbügel als Edelmann und Samantha Hüll als Portier. Stellvertretend für das „Backstage-Team“ seien die Techniker Liam Bertels und Ole Zöller genannt.
In der Handlung treffen zwei Gruppen von Menschen aufeinander, deren Lebensauffassungen nicht unterschiedlicher sein könnten. Das sind die weltfremden Romantiker und Lebenskünstler, die optimistisch und mutig in die Zukunft blicken, das Leben wander- und abenteuerlustig auf sich zukommen lassen, die nach Individualität und Freiheit streben und das Publikum mit Live-Musik erfreuen. Ihnen gegenüberstehen die Vertreter der hart arbeitenden, bürgerlichen Gesellschaft wie Müller, Bauer, Gärtner, Portier und Kammerzofe, die vergebens ihre gut gemeinten Ratschläge an die Künstler verteilen.
Lesen Sie den Artikel von Christine Fauerbach hier in der WZ vom 23.03.2026 oder hier in der FNP vom gleichen Tag.
Bilder von der Aufführung finden Sie in unserer Galerie.